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Naturschutzwart beim Schwarzwaldverein Nagold ist Schmidt, Hans-Jürgen eMail


Naturschutz

Auch in den noch großflächig vorhandenen naturnahen und natürlichen Gebieten im Schwarzwald bedarf die Natur unseres Schutzes. Wir treten dafür ein, dass sich auch künftige Generationen an ihr erfreuen.

Seit mehr als 100 Jahren leistet der Schwarzwaldverein praktische Naturschutzarbeit. Jährlich werden rund 20000 ehrenamtliche Arbeitsstunden aufgewandt, ein Großteil davon für die Sicherung und Pflege gefährdeter Tier- und Pflanzenarten sowie ihrer Lebensräume.

 

Ehrenamtliche Naturschutzdienste informieren in Zusammenarbeit mit Naturschutzstellen die Besucher der großen Naturschutzgebiete am Feldberg, in Kaiserstuhl, Taubergießen und Wutachschlucht.

Als anerkannter Naturschutzverband und Gründungsmitglied des Landesnaturschutzverbandes setzt sich der Schwarzwaldverein in Stellungnahmen zu aktuellen Bauvorhaben und Planungen für die Belange des Natur- und Umweltschutzes ein.

 

Naturschutz vor Ort in Nagold

In Nagold geschieht das in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltschutz (ANU) Nagold, der unsere SWV-Ortsgruppe Nagold neben weiteren Verbänden und Vereinen angehört. Ziel ist der Erhalt von natürlichen Lebensgrundlagen für den Menschen sowie für Fauna und Flora. 

 


 

SWV-Naturschutzwarte in Nagold zu Besuch / 10.2017

 2017.10.18

 

Die Naturschutzwarte im Bezirk Nagoldtal treffen sich einmal im Jahr zum Erfahrungsaustausch und auch, um etwas dazu zu lernen. Dieses Jahr waren sie bei der Ortsgruppe Nagold zu Gast, einer Stadt, die ehemals als die Baumschulstadt in Deutschland Rang und Namen hatte. Schon in aller Frühe wurden die Naturschutzwarte von der Wirtin im Café am Kleb, dem Wanderheim der Ortsgruppe Nagold, mit Kaffee und Brezel gestärkt, während der Bezirksnaturschutzwart des Schwarzwaldvereins, Hans Necker, Organisationsthemen angesprochen hat. Gleich anschließend startete man zu einer Betriebsbesichtigung bei der Staatsklenge, die nur wenige Schritte entfernt liegt. Der ganze Komplex ist eine 1865 erbaute, private Forstsamendarre die 1947 von der Landesforstverwaltung übernommen und bis heute zu einem zertifizierten Forstsaatgutaufbereitungsbetrieb weiterentwickelt wurde. Für die Samen, die hier bearbeitet werden, ist die Identität und Herkunft gesichert. Bei anschließend zertifiziertem Pflanzgut aus der angegliederten Pflanzschule kann durch Rückstellproben jederzeit auch mittels genetischer Analyseverfahren die Herkunft der Samen überprüft werden. Diese Herkunftssicherungssysteme werden mit genetischer Überprüfbarkeit in der heutigen Zeit des Klimawandels, auch für die Waldzertifizierung in den verschiedenen Regionen immer wichtiger. Sehr anschaulich führte der Leiter der Staatsklenge, Thomas Ebinger, auch die neuesten Erntetechniken vor. Um dieses Samenmaterial zu erhalten, bildet man in Nagold für das ganze Land auch sogenannte Zapfenpflücker aus, die sich gesichert, bis in die höchsten Wipfelregionen der verschiedenen Baumarten wagen. Am Nachmittag führte der Nagolder Naturschutzwart Hans-Jürgen Schmidt die Gäste auf einer kurzen Exkursion durch das Waldbiotop Kehrhau der Gemeinde Jettingen, an der Grenze des Kreises Böblingen. Hier wurde vor genau 80 Jahren im in weiter Umgebung größten Eichenbestand, eine Munitionsfabrik mit -lager errichtet. Nach Kriegsende diente diese Einrichtung als Auffanglager für die Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten. Sie mussten hier unter erbärmlichsten Verhältnissen ihrer Registrierung, Arbeits- und Wohnungszuweisung entgegensehnen. Die Naturschutzwarte interessierte speziell ein Waldbiotop, das wohl einmalig in Deutschland ist. 1974 wurde für die Planung eines neuen Munitionslagers dieser Alteichenbestand gerodet. Als sich jahrelang nichts tat, und die Natur sich das Gelände zurückerobert hatte, wurde dieser inzwischen wieder 10jährige Jungbestand von Eichen, Buchen, Fichten, Ahorn einfach wieder umgelegt, und die 18 ha wurden erneut zur Brache. Aber dessen nicht genug. 1985 folgte die 2.Rodung. Selbst in Forstkreisen sprach man zwischenzeitlich von einem einmaligen Waldfrevel in der Bundesrepublik. Die Gemeinden, die Bevölkerung, die Friedensbewegungen wehrten sich gegen ein neues Munitionslager und schließlich wurde 1990 aus wasserrechtlichen Bedenken das Bauvorhaben eingestellt. Die Pionierpflanzen wie Salweide, Haselnuss, Birke, Espe usw. hatten schon längst wieder die Macht übernommen. Keine Buchen, Eichen, Ahorn, Nadelbäume, oder die heckengäutypische Busch-Vegetation konnten sich auf diesem Gelände wieder entwickeln.  Ihnen war das Licht, das sie für ihre Entwicklung brauchen, durch den raschen und hohen Bewuchs vorenthalten worden. Nun bricht dieser Pionierwald langsam, im wahrsten Sinne des Wortes, auseinander und erst an den Wegrändern kann sich die eine oder andere Fichte oder Eiche wieder entwickeln. Es wird noch Jahrzehnte dauern, dass, wenn der Mensch nicht eingreift, sich daraus in Mitten eines ertragreichen Wirtschaftswaldes rund um, ein stabiler Mischwaldbestand bilden kann. Solange wird es wohl ein flächenhaftes Naturdenkmal bleiben.

Aufkommender Regen hatte die Exkursion sehr eilig beenden lassen und die Naturschutzwarte sind in ihre eigenen Reviere zurückgekehrt.

                                                                               15.10.17/hjs 
 

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