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Natur erleben heißt:  

Menschen können mit Hilfe von Podesten die Baumkronen erklettern, um sie von oben zu betrachten und zu entdecken. Menschen dürfen in diesen Gebieten einen Handstrauß Blumen pflücken, um die einzelnen Blütenpflanzen näher kennenzulernen. Menschen dürfen im Boden graben, um auch einmal die Wurzeln der Bäume und Kräuter zu sehen sowie den durch Pflanzen und Tiere bewirkten Aufbau des Bodens zu erfahren. Menschen können anhand von Bodenproben die Filterfunktion des Bodens erfahren. Menschen dürfen aus einem Bach oder Tümpel Wassertiere und -pflanzen entnehmen und sie in Informationszentren mit optischen Geräten untersuchen. Menschen dürfen die chemische Zusammensetzung und die möglichen Belastungen mit Schadstoffen von Wasser, Boden und Luft in einem angegliederten Labor messen.

Die Einrichtung von Naturerlebnisräumen geht also davon aus, daß ein positives Verhältnis zur Natur und zum Naturschutz nur derjenige entwickeln kann, der in der Lage ist, diese in ihrer Schönheit im Detail zu erleben und dieses Erleben auf der Basis von mehr Wissen ständig vertiefen will.

Was gehört dazu?

Um den Besuchern Gelegenheit zum Naturerlebnis zu geben, sollten in Naturerlebnis- räumen folgende Möglichkeiten geboten werden: Bewegungsfreiheit: Der Besucher soll nicht überall an Wege gebunden sein, damit er die Natur eigenständig entdecken und erleben kann. Er muß die Möglichkeit haben, auf bestimmten Flächen die Natur direkt anzufassen, zu fühlen, im geringen Abstand zu beobachten und vielleicht auch zu messen. Zusammenleben: Der Besucher muß die Möglichkeit haben, mit einer kleinen Gruppe Natur zu erfahren. Hierzu können technische Infrastrukturen geschaffen werden wie Boden-Beobachtungs-Gruben, Baum- und Wasserbeobachtungsstände sowie ein Mikroskopie- und Meßlabor. Aktives Kennenlernen der Natur: Der Besucher wird nicht reglementiert an die Natur herangeführt, sondern von seinem Interesse und unaufdring- lichen Erklärungen geleitet. Interessante Strukturen und wichtige Funktionen sind gekennzeichnet und werden erklärt. "Erklärungsmittel" hierfür können Beschriftungen, grafische Erläuterungstafeln und Erläuterungsbroschüren sowie vor allem die aufbereitete vergleichende Betrachtung in verschiedenen,Biotopen sein. Dabei soll der Besucher soweit wie möglich bestimmte eigene Aktivitäten entwickeln,.um das Erleben und Erfahren zu vertiefen.

Standorte für Naturerlebnisräume

Naturerlebnisräume können im Randbereich von Schutzgebieten, am Rande von neu zu entwickelnden Naturvorrangflächen (etwa stillgelegten ehemaligen Intensiväckern oder Intensivweiden) oder am Rande von Siedlungsgebieten liegen. Es ist gut, wenn schon zu Beginn der Einrichtung verschiedene Biotoptypen innerhalb eines Naturerlebnisraumes nebeneinander vorhanden sind, insbesondere ältere Bäume und Sträucher, um verschiedene Altersstufen in der Biotopentwicklung gleich von Anfang an vorzeigen zu können. Sensible Landschafts- und Biotopbereiche sollten nicht einbezogen werden - z.T. können sie aber kleinräumig neu angelegt werden.

Naturerlebnisräume als Pufferzonen und Verbindungselemente

Attraktive Naturerlebnisräume können Pufferzonen darstellen für ökologisch besonders empfindliche Naturschutzgebiete, deren Fauna und Flora durch übermäßigen Besucherandrang bedroht ist. Naturerlebnisräume sind auch Gebiete, in denen die Natur sich nach anthropogener Belastung wieder regenerieren kann. Die Belastung der Naturerlebnisräume ist - jedenfalls in Teilbereichen - der Vertritt durch die Besucher. Es besteht die Möglichkeit, durch eine periodische Absperrung dieser belasteten Teilareale, die Zeitabläufe und die Möglichkeiten der Regeneration vorzuführen.

Naturerholung, Fremdenverkehr, sanfter Tourismus und Naturerleben

Auch Naherholung und Fremdenverkehr verursachen Schäden und Veränderungen an der Natur und gefährden dadurch ihre eigenen Grundlagen. Die Formen des "sanften Tourismus" zeigen zwar grundsätzlich einen schonenderen Umgang mit der Natur, beanspruchen jedoch eine funktionsfähige Landschaft abseits der intensiv genutzten Erholungszentren. Zum Lernen von Rücksichtnahme im Rahmen des "sanften Tourismus" können Naturerlebnisräume beitragen. Selbst bei gleichmäßiger Verteilung der Erholungssuchenden auf die landschaftlich reizvollen Gebiete Schleswig-Holsteins bleibt vielen Pflanzen- und Tierarten nur dann eine Chance auf dauerhafte Existenz, wenn Menschen gelernt haben, mit der Natur sanft umzugehen.

Jeder, der mit Naturschutz zu tun hat, weiß, daß Ruhezonen geschaffen werden müssen, in denen die Natur sich selbst zu überlassen ist. Einen Teil des nötigen Verständnisses für die "Ruhezone der Natur" können Naturerlebnisräume bewirken.

Die größten Schäden an der Natur entstehen jedoch oft nicht durch die Erholungsaktivitäten selbst, sondern durch die dazu aufgebaute Infrastruktur sowie durch den Langstreckenverkehr, der durch die wenigen interessanten und für die meisten fernliegenden Besuchsplätze entsteht. Daher ist es wünschenswert, den Menschen Naturerlebnisstätten in ihrer nächsten Umgebung zu bieten: das können die Naturerlebnisraume in jeder Gemeinde sein.

Die Nachfrage nach naturbetonten Erholungs- und Freizeitaktivitäten wird immer größer. Aber auch die Erholungsstätten in der Natur benötigen eine naturgemäße Infrastruktur. Es sind daher Strategien zur Planung und Gestaltung von Erholungslandschaften, Feriengebieten oder Freizeitzentren notwendig. Nur so kann verhindert werden, daß unsere Gesellschaft sich selbst die Basis für das verdirbt, was sie so sehr anstrebt. Naturerlebnisräume in der Nähe von Freizeitzentren können dies bieten: Erfahrungen zu sammeln in einer schönen Natur und einer gesunden Umwelt!

Einbeziehung aller Menschen


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